Hintergrund

Sonntag, 28. Juli 2013

Von Blüten und Spitzen

Lieber Leser,

ich bin ja schwer der Überzeugung, dass alles was der Mensch erfindet, irgendwo schon mal in der Natur vorhanden war. Ob das bewusst abgekuckt oder unbewusst inspiriert ist…. wer weiss.
Bei uns blühen gerade die wilden Möhren äusserst üppig, die ja eine beliebte Futterpflanze für die „Rüebliraupen“ sind, die Raupen des Schwalbenschwanz, den man hier leider so selten sieht. Ihre Blüten bestehen aus vielen winzigen Blüten, oft (meistens oder immer?) weiss. Äusserst filigran. Der äusserste Blütenkranz ist meistens ein kleinwenig grösser als die anderen. Und was die wilde Möhre nun so leicht zu erkennen macht, ist eine kleine Besonderheit: In ihrer Mitte prangt eine kleine dunkelrote Blüte. 



Wer war es wohl? Jemand mit dem Blick für das Besondere hat sich diese Blüten wohl angeschaut, in einer gänzlich anderen Zeit. Und hat daraus Ideen entworfen, für Spitzen. Bestimmt hat er/sie wunderbare Handarbeiten gefertigt.

Ob Menschenhände es je fertigbringen werden, so feine Arbeiten umzusetzen?
Maschinen sind zwar effizienter in der Leistung, aber sie können mit der Komplexität der Muster nicht mithalten. Wunderbar, nicht?






Freitag, 12. Juli 2013

Morgenrunde

Lieber Leser, 
heute hatte ich einen wunderbaren Morgen, den ich gerne mit dir teilen möchte.
Eigentlich bin ich ja eher der Anti-Sportler, aber manchmal überkommts mich dann doch. Darum habe ich heute früh meine Inline-Skates geschnappt und bin los um den See. Es ist allein schon ein tolles Gefühl, in der Früh an einen wunderbaren Ort zu gehen, wenn die Leute an der Bushaltestelle mit dieser "Halt-die-Fresse-sonst-knallts-Miene" stehen (zugegeben, ich gehöre normalerweise auch dazu). Ich liebe die Mörgen. Sie sind noch so taunass und unbeschwert. Die kühle Luft macht das Atmen so richtig erfrischend  und in mir breiten sich so fröhliche und tatendrangige Gefühle aus.

Im Moment geht mir jeden Tag das gleiche Wort durch den Kopf wenn ich über die Felder schaue: madir. Romanisch für reif. Und es reift so sehr. Ich sehe Artemis durch das Korn streifen und ihr Füllhorn ausleeren. Der Anblick der Gerste im Wind ist so wunderbar. Die vielen Farbtöne in gelb und grün und braun, sie rühren mich an.
Die Grünfinken fliegen in ganzen Verbänden. Ihr Geplapper tönt so lustig unbeschwert wie Kinderstimmen. Nur still im Schlaf. Und die Sperlinge fliegen im Schwarm über mich, nehmen mich mit, machen mich schwindlig.

Kennst du das Gefühl, dass du gleich platzen musst, wenn du nur noch etwas Schönes siehst?
Lieber Leser, ich wünsche dir allerschönste Sommertage.









Montag, 8. Juli 2013

Heimweg

Lieber Leser,


heute nehme ich dich mit auf meinem Heimweg. Er geht quer durch die Stadt, möglichst verkehrsfern und ruhig. Gehst du auch ab und zu ein längeres Stück zu Fuss? Dann kennst du vielleicht das Gefühl; am Anfang musst du dich noch antreiben und die Bewegung fällt dir schwer. Aber dann kommst du fast unbemerkt in den Fluss und dein Körper agiert wie allein während deine Gedanken hin und her treiben. Wenn sie zu Beginn auch noch in engen Kreisen drehen, so werden sie doch nach und nach weiter und ruhiger.
Du passierst ein Tor und plötzlich nimmst du einen Duft war, intensiv und wunderbar…



Ich finde, in der Stadt sind Wohlgerüche immer eine besondere Freude. Ich suche den Strauch, die Blume, die mich gerade so reich beschenkt, bewundere sie und gehe weiter.
Nach und nach öffnen sich auch meine Augen wieder dem langsamen schauen. Überall entdecken sie interessantes, schönes, das sie bestaunen können. Magst du auch so diese ungleichmässige Struktur der alten Pflastersteine? Oft sind sie ja nicht gerade mehr zu sehen. Oder das Stakkato eines Zauns, der beim gehen den Blick verschwimmen lässt. 



Reizend winden sich die Triebe des wilden Weins. Was für ein Luxus, dass ich die Zeit habe hier stehenzubleiben und ihn zu bewundern. Was für ein Geschenk, dass mich dieser Anblick mit Freude erfüllt. Diese zarte grüne Farbe, dieses feine braunrot, die kleinen Ranken, die bereits auf der Suche sind nach einem Halt, um den sie sich -sobald sie ihn gefunden haben- festzurren und nicht mehr loslassen.


Ich gehe weiter. Schau, ein Schloss! Wie glücklich müssen seine Bewohner sein. Was für ein romantisches zu Hause.


Ich durchwandle dieses gepflegte Viertel. Wie wunderbar überwachsen die Gärten sind. Keiner, der sie zurückstutzt und ihren kühnen Wuchs schmälert. Riesige Gebilde aus Efeu. Überladene Rosen. Der Nasse Sommer lässt sie üppig blühen.
Dazwischen erneute Struktur: eine der vielen kleinen Bahnlinien, die den Berg hinauf führen.


Dann, schon fast am Ende: das lustige Zentrum eines Vereins, umgeben von sehr viel Buchs. Buchs in lustigen Formen. Manchmal sticht aus der feinen Hecke ein grosser brauner Fleck. Böser Buchsbaumzünsler, stört die Geometrie.


Sogar die Parkplätze sind in hübschen Wellenmustern gelegt worden.


So, noch einmal muss ich steil bergab gehen. Und hier eine wunderbare kleine Überraschung: sehr sehr alte Häuschen in einer wunderbaren Siedlung. Siehst du diese winzigen Fenster? Eindeutiges Anzeichen für einige hundert Jahre auf dem Buckel. Aus ihnen sprudeln nur so die Erinnerungen. Wie eine Quelle, die sich plötzlich in der Wiese auftut und vor sich hinplappert. Wie machen sie das nur?


Mittwoch, 3. Juli 2013

Willkommenspost

Lieber Leser,

kennst du den graugrünen Farbton von Agaven? Die erfrischende Klarheit, mit der sie sagen: „fass mich nicht an“? Ihre kühle Temperatur wenn du es trotzdem tust? Und wenn du genau hinschaust, entdeckst du auf ihren Blättern den Abdruck der nachfolgenden mitsamt Stacheln…